2006  Sauvignon blanc
           Weingut Dykerhoff, Reuilly, Loir
           Edition N° 20

Preis:  Ausgetrunken

Großvater Hermann Dyckerhoff hatte noch mit Zement zu tun. In der Hauptsache aber bewirtschaftete er das große Bauerngut der Unternehmerfamilie, das an die firmeneigene Kalkgrube nahe Wiesbaden grenzte. Vater Horst studierte ebenfalls Agrarwirtschaft. Doch als er das Erbe antreten sollte, hatte sich die Grube derart ausgebreitet, dass für den Hof kaum noch Land übrig blieb.

So suchte er und fand endlich an der oberen Loire einen alten Betrieb, den er übernehmen konnte, die Domaine du Carroir du Gué in Charoste. Er baute Getreide an, züchtete Tauben, Forellen und freute sich seines Lebens. 1992 übergab er alles an Sohn Christian, der das Gut um 34 Hektar Reben erweiterte. Cherchéz la femme: Seine frisch angetraute Bénédicte stammt aus einem Elsässer Winzerhof und hat Weinbau rundum gelernt.

Charoste liegt in dem kleinen Anbaugebiet Reuilly, das in guten Jahren zauberhafte Weine hervorbringt, aber völlig im Schatten von Sancerre und Pouilly-Fumé steht. Gut, sie haben nicht den legendären Geschmack nach Feuerstein, der den doppelt so teuren Berühmtheiten eigen ist. In Reuilly herrschen Kalk und Schwemmsand vor, die dem Sauvignon blanc durchaus kräftige mineralische Noten verleihen.

Christian Dyckerhoff, 41 Jahre alt, mittelgroß, schütteres Haar, wirkt im ersten Moment etwas unnahbar. Doch wenn er Vertrauen gefasst hat, plaudert er munter und seine Augen werden schelmisch. Die inzwischen guten weinbaulichen Kenntnisse hat er seiner Frau abgeschaut. So weit wie möglich pflegen die Beiden ihre Rebgärten ökologisch. Als Wappenvogel haben sie das Rotkehlchen gewählt. „Das sind so fröhliche Tierchen. Und sie kommen nur, wenn die Natur in Ordnung ist“, sagen sie.

Es dauerte Jahre, bis die Dyckerhoffs erste Erfolge verbuchten. Der 2005er brachte den Durchbruch und Medaillen. Der 2006er Sauvignon blanc ist noch besser geraten. Beim ersten Schnuppern werden Erinnerungen aus der Kindheit wach. Da steigt der Geruch von Kreide an der Schultafel auf, der sich bald mit Düften von Lindenblüten und Aprikosen mischt. Der Geschmack ist wie ein Früchtekorb: Von Birnen, Aprikosen, Cassis und Mango. Alle Aromen mischen sich wunderbar und fließen wie ein breiter gemächlicher Strom aus dem Glas.

Im Kölner Restaurant Fischers wird dieser Wein glasweise ausgeschenkt und mit einem witzigen Salat kombiniert. Zuerst (pro Person zwei) Jakobsmuscheln braten und mit Schnitzen einer reifen Mango, Grapefruit-Filets und Rucola garnieren. Für die Vinaigrette Zwiebelstücke glasig dünsten, weißen Balsamico und die Reste des Mangofleischs untermischen und alles pürieren. Zuletzt kommen geröstete Pinienkerne hinzu. Skeptiker mögen meinen, dass die Früchte und der staubtrockene Wein niemals zusammen passen. Ausprobieren und staunen!

 

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